Ich arbeite jetzt auch auf Spanisch
Diese Entwicklung ging so schnell – und war gleichzeitig so natürlich –, dass ich einerseits überrumpelt bin und sie andererseits fast übergehen möchte.
Aber sie verdient Aufmerksamkeit.
Es ist das eine, international zu arbeiten und sich auf Englisch durch die Welt zu bewegen.
Es ist etwas ganz anderes, in verschiedenen Landessprachen arbeiten zu können.
Während ich seit einigen Jahren ganz selbstverständlich auf Deutsch und Italienisch arbeite und inzwischen auch wieder gern Englisch spreche, war Spanisch lange ein Stiefkind – das ich nun in aller Eile adoptiert habe.
Einladung ans Goethe-Institut Caracas
Als ich im Oktober vom Goethe-Institut Caracas zum ersten Kongress für Deutsch als Fremdsprache eingeladen wurde, um Deutschlehrkräfte in Theaterpädagogik fortzubilden, konnte ich auf Spanisch kaum mehr als „Hallo“ sagen.
Die Arbeit vor Ort lief so gut, dass sehr bald eine Rückkehr im Raum stand.
Und ich habe mir geschworen: Beim nächsten Mal spreche ich zu 70 % Spanisch.
Als im Februar meine Abreise bevorstand und ich meinem Umfeld aufgeregt erzählte, dass ich einen Großteil meiner Arbeit auf Spanisch durchführen würde, liefen die Gespräche ungefähr so:
– „Ach, wie – Johanna, ich wusste gar nicht, dass du Spanisch sprichst.“
– „Spreche ich auch eigentlich nicht. Also ich lerne gerade erst.“
– „Ach so. Na ja, das wird trotzdem klappen, da bin ich mir sicher.“
Und so war es auch.
Steile Lernkurve in 4 Monaten
Ich spreche nicht perfekt – aber gut genug.
Meine in vier Monaten angelernten Kenntnisse und die intensive Zeit vor Ort haben gereicht, um meine Workshops auf Spanisch durchzuführen.
Und ich habe Lust, weiterzulernen, damit es beim nächsten Mal noch besser läuft.
Mein Turbo-Lernen und das anschließende Arbeiten auf Spanisch führen mich zu drei – eigentlich nicht neuen, aber wieder sehr präsenten – Erkenntnissen:
1. Sprachen lernt man nur durch Sprechen.
2. Es gibt nichts, das ich nicht lernen kann.
(Eines meiner Lebensprinzipien, auf das ich mich immer wieder berufe.)
3. Dort, wo sich eine Lücke zwischen realer und angestrebter Kompetenz auftut, findet Wachstum statt.
Und ganz nebenbei:
Es war schön, mal wieder etwas Neues zu lernen – täglich, konstant und mit einem klaren Ziel.
So oft bin ich in der Rolle der Lehrenden.
Diesmal habe ich es genossen, selbst zu lernen – und vor Ort die Ergebnisse meiner Anstrengungen zu sehen.
Viele der Menschen, die mich im Oktober in Caracas kennengelernt haben, waren jetzt überrascht, dass sie sich plötzlich auf Spanisch mit mir unterhalten konnten.
Das war für mich das schönste Kompliment.
Und nun? – Ich lerne weiter.
Es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte ich in einem Computerspiel ein neues Level freigeschaltet.
Dieses Level ist eine Landkarte – oder besser gesagt: ein ganzer Kontinent.
Ich bin gespannt, was noch kommt.
Y sigo aprendiendo.

Im Oktober habe ich beim 1. Kongress für Deutsch als Fremdsprache in Venezuela mit Deutschlehrkräften gearbeitet.
Der Kongress hat über 100 Menschen aus der Deutsch-Lern-Lehr-Landschaft zusammengebracht.
Es war mir eine Freude, mit dieser großen und motivierten Gruppe Theatermethoden für den Unterrichtsalltag zu erarbeiten.
Weitere Eindrücke vom Kongress unter @goetheccs
Foto: @heatcreativooo
Beitragsbild von German Artigas.
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