Warum die eigene Haltung wichtiger ist als die Technik

Mitte Juni durfte ich im Rahmen des KlasseDenken Programms der phil.COLOGNE zwei Veranstaltungen moderieren. Bei dem Vormittagsprogramm für Schulklassen geht es darum, philosophische Themen mit einem jungen Publikum zu besprechen; ihnen nicht nur einen Vortrag zu präsentieren, sondern sie im besten Fall zur Beteiligung und Diskussion zu motivieren.
Ich bin mit der Straßenbahn von Bonn nach Köln gefahren. Die Bahn tuckert laut und langsam übers Land und dabei habe ich mir ein paar Gedanken zu meiner Rolle als Moderatorin gemacht. Es ist mir immer ein großes Anliegen, eine Veranstaltung für das Publikum zu gestalten. Wer im Publikum sitzt, sollte nach der Veranstaltung mehr über das Thema wissen, als vorher. Außerdem sollte die Person das Gefühl haben, dass die Zeit schnell vergangen ist – auf gar keinen Fall sollte beim Zuhören Langeweile aufkommen. Im besten Fall haben Personen im Publikum während der Veranstaltung auch mal gelacht.
Damit Menschen informiert, erfrischt und erheitert aus einer Veranstaltung gehen, die ich moderiere, versuche ich, das Publikum mit einzubeziehen und regelmäßig für Auflockerung zu sorgen. Das kann durch Witze passieren, unerwartete Kommentare oder – wie im Fall der KlasseDenken-Veranstaltung – durch bewusste Aktivierung der Zuschauerinnen und Zuschauer. Hier habe ich z.B. zum Anfang Schätzfragen gestellt und die Jugendlichen konnten ihre Antworten in den Saal rufen. Bei der zweiten Veranstaltung habe ich zu Beginn ein paar Ja-/Nein-Fragen gestellt. Wer mit „Ja“ geantwortet hat, musste aufstehen. So lässt sich schnell ein Stimmungsbild erkennen.
Diese Aktivierungstechniken stellen nie Einzelne in den Vordergrund. Schüchterne Menschen können sich gut in der Masse verstecken. Trotzdem sind alle mit einbezogen und darauf vorbereitet, dass die Veranstaltung ungefähr in diese Richtung weiterläuft.
Nun kommt es immer auf den Auftraggeber bzw. Veranstalter an, wie genau die Moderation ablaufen soll. Nicht alles kann ich immer so machen, wie ich möchte. Was ich aber auf jeden Fall zu vermeiden versuche, ist, mein eigenes Wissen in den Vordergrund zu stellen. Als Moderatorin ist es nicht meine Aufgabe, mein eigenes Wissen zu präsentieren. Ich muss mich vorbereiten – ja. Natürlich dazu auch einlesen und informieren. Bei der Veranstaltung selbst geht es aber darum, die Experten und Expertinnen zu Wort kommen zu lassen und auf die Fragen aus dem Publikum zu reagieren.
Ich finde, eine gute Moderation gelingt, wenn ich mich selbst völlig zurücknehme und in den Dienst der Inhalte und des Wohlbefindens des Publikums stelle. Deswegen glaube ich auch, dass eine gelungene Veranstaltung manchmal eher eine Frage der Haltung, als der richtigen Redetechnik ist. Klar, wenn ich in einem Satz dreißigmal „ehm“ sage, stört das alle. Dennoch: Für das Publikum zu moderieren und nicht für das eigene Ego ist für mich die wichtigere Zutat.
Wie steht ihr dazu? Teilt ihr meine Gedanken oder habt ihr eine andere Meinung?
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